Ertrinken: Gefahr für Kleinkinder
Ertrinken: Lebensgefahr für Kleinkinder auch nach der Rettung
Berlin – Ertrinken ist in Deutschland nach Verkehrsunfällen die
zweithäufigste tödliche Unfallursache im Kindesalter. 70 Kinder unter 15
Jahren starben zwischen 2000 und 2006 jährlich im Durchschnitt durch
Ertrinken in Deutschland. 300 bis 400 Kinder pro Jahr verunglücken durch
Beinahe-Ertrinken. Leider ist auch nach einer Rettung die Gefahr häufig
nicht gleich vorüber. Viele Kinder sind unterkühlt oder haben Wasser
geschluckt. Um Spätfolgen zu vermeiden, müssen sie nach einem
Ertrinkungsunfall grundsätzlich 24 Stunden zur Beobachtung in die Klinik.
Dies fordern Experten im Vorfeld eines Kongresses in Berlin.
"Auch nach einem eher harmlos erscheinenden Beinahe-Ertrinken kann sich eine
schwere Aspirationspneumonie entwickeln. Und das oft erst einige Stunden
nach dem Zwischenfall", warnt Dr. med. Michael Toursarkissian,
Notfallmediziner an der Charité in Berlin. Die sogenannte
Aspirationspneumonie ist eine spezielle Form der Lungenentzündung. Sie
entsteht, wenn erbrochener Mageninhalt und/oder verunreinigtes Wasser in die
Lunge gelangt. Dadurch wird eine starke Entzündungsreaktion ausgelöst. Diese
führt erst Stunden nach dem Unfall dazu, dass Patienten keine Luft mehr
bekommen. "Deshalb ist es so wichtig, dass alle Ertrinkungsopfer wenigstens
24 Stunden in der Klinik stationär überwacht werden", fordert
Toursarkissian. Nur dort stehen alle Möglichkeiten zur Behandlung von
plötzlichen Komplikationen zur Verfügung.
Die meisten Kinder ertrinken nicht etwa beim Badeurlaub an Nord-, Ostsee
oder in der Badeanstalt, sondern beim Spielen in der häuslichen Umgebung.
Ein flacher Gartenteich, eine Regentonne, ja selbst eine Badewanne kann zu
einer tödlichen Gefahr werden, wenn die Kleinkinder unglücklich
hineinstürzen. In der Nähe von Wasser, aber auch im Badezimmer dürfen
Kleinkinder niemals unbeaufsichtigt sein, raten die Ärzte der Charité .
Prävention, wie etwa ein Zaun um den Pool, ist besser als alle Expertenhilfe
durch den Notarzt und die Intensivmedizin.
Für die Eltern gilt größte Vorsicht beim Spielen der Kinder am oder in Wasser. Gut ist es, wenn in einem speziellen "Kinder-Erste-Hilfe-Kurs" die wichtigsten Grundlagen für den "Fall der Fälle" erlernt werden.
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